Kein Preis-Schock auf dem Rodelberg
  • Allgemeine Zeitung Mainz

Kein Preis-Schock auf dem Rodelberg

Der Mainzer Rodelberg, ein nebliger Herbstmittag. Zwischen Baukränen und mit Stahlgerüsten umhüllten Rohbauten sieht eine 20-köpfige Gruppe, wie Mainz weiter wächst. Über den Dächern der Stadt, sozusagen. Man kann es nur erahnen: Aber wenn hier oben, im gerade entstehenden Wohnquartier Rodelberg, die Betonwüste einer „grünen Mitte“ weicht, könnte das ganz chic und hip aussehen. Dann, geht der Plan auf, wäre es Ende 2022. Ortstermin. Die Projektentwickler von WTR und der Eigner Industria Wohnen, eine Frankfurter Gesellschaft, laden an diesem Donnerstag ein auf die Baustelle – im Sinne von: Seht, das wird die neue Mainzer Wohnoase. Über 200 Wohnungen, Dom-, Rheinhessen- und Taunusblick in zehn Häusern, eine Tiefgarage mit 144 Plätzen. Alles auf über 16 000 Quadratmetern. „Uns war wichtig, dass wir in einem urbanen Umfeld bezahlbaren Wohnraum schaffen“, sagt Baudezernentin Marianne Grosse (SPD). „Und zwar ohne Qualität einzubüßen. Mainz kann das.“ So klingt wohl ein Versprechen. Aber was heißt das, bezahlbar? Bezahlbar für welche Klientel? Und: Welche Wohnungen verbergen sich in den noch grauen Betonklötzen? Mainz baut und baut. Natürlich hat das Gründe: In der Rhein-Main-Region grassiert die Wohnungsnot, Menschen verzehren sich nach Platz, finden in Städten aber keinen – und wenn, dann ist er für viele so teuer, dass er einen Netto-Monatslohn für die Miete verschluckt. Die Bedenken eines Preis-Schocks auf dem Rodelberg versucht Elmar Limley aus der Welt zu räumen. Limley, ein Darmstädter Architekt, ist Portfoliomanager beim Eigentümer Industria. 2020 kaufte das Unternehmen das Rodelberg-Projekt der WTR ab, einem Zusammenschluss von J. Molitor Immobilien und der Mainzer emag. Limley versichert: „Wir werden uns hier am Mainzer Mietmarkt und -spiegel orientieren. So wird sich der Preis einpegeln.“ Am 29. April trat in Mainz der neue Mietspiegel in Kraft – laut diesem kostet der Quadratmeter in einer zwischen 2011 und 2018 gebauten Wohnung bis zu 13,37 Euro. Natürlich heften sich die Kosten an zig Variablen: Wohnlage, Ausstattung, Größe und Geschoss zum Beispiel. Gerade beim Mietpreis aber will Industria mit einem besonderen Clou punkten: den energetischen Vorzügen des Komplexes – welche die Nebenkosten drosseln sollen. „Wenn es gut läuft, auf unter 200 Euro“, skizziert Limley. Heißt: Die im Sommer gespeicherte Wärme soll im Winter zum Heizen genutzt werden. Stichwort Geothermie. Nicht nur billig ist das, sondern auch klimafreundlich. Eine Kostenexplosion für die Mieter, so Limley, sei deshalb nicht zu befürchten. Außerdem werden hier oben, auf dem Hügel, 25 Prozent der Wohnungen sozial gefördert – mit einem Quadratmeterpreis von 6,40 Euro bis 7,20 Euro. Das ist, für Mainzer Verhältnisse, fast ein Schnäppchen. Martin Dörnemann, emag-Geschäftsführer, sagt: „Die Quantität der Wohnungen ist das eine. Bei der Planung war uns aber die Qualität wichtiger.“ Auch deshalb sei der Klimaschutz hier eine Maxime – denn grün soll es werden. Der Gürtel aus Bäumen außen, grasige Parzellen innen, Öko-Heizung, Nistkästen, Vogelschutz. Die Liste ließe sich weiterschreiben. Im Februar 2020 erst hat die Stadt dem Bebauungsplan zugestimmt. Seitdem geht es schnell. Auf dem 20 Meter hohen Hügel, einst künstlich aufgeschüttet, stand damals das Bürogebäude des früheren Jobcenters. Vor genau einem Jahr wurde es abgerissen – heute ragen hier zehn Blöcke der Hamburger Architekten Schaltraum in den Himmel, „auch wenn wir gerne noch mehr in die Höhe gebaut hätten“, scherzt Bürgermeister Günter Beck (Grüne). Und so sieht es, Stand Donnerstag, aus auf dem Rodelberg: In den einen Häusern ist der Trockenbau abgeschlossen, andere stehen erst als Rohbau. Man vollende in Phasen, sagt Projektleiter Lars Heymann und zeigt auf die Freifläche im Zentrum. „Hier wird es einen Quartier- und einen Spielplatz geben. Zwischen jedem Haus entstehen Pocket-Parks.“ Grüne Idylle zwischen wuchtigen Wänden. An einem Fenster hängt eine der Holzfassaden, die später die Wohnungen, zwischen 40 und 110 Quadratmeter groß, umrunden sollen. „Wir bauen für den mittleren Bürger: Vom Single bis zur fünfköpfigen Familie wird hier jeder wohnen“, meint Limley. Die gesamten Investitionskosten betragen den Angaben zufolge 92 Millionen Euro. Zum Start der Begehung, um 15.40 Uhr etwa, hatte Günter Beck geschwärmt: „Wenn man hier von unten anfährt und sieht das wachsen, dann ist das ein Highlight.“ Wann genau auf dem Rodelberg erste Wohnungen vermietet werden, steht noch nicht fest.

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Michael Bonewitz

Unternehmenssprecher

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